Massiver Verstoß gegen Nachhaltigkeitsgrundsätze? Initiative gegen Abriss des Siemensgebäudes

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Anwohner der das Siemens-Gelände umgebenden Straßen haben die „Bürgerinitiative Franz Geuer-Straße“ (BI-fgs) gegründet und rufen dazu auf, sich bis zum 17. Januar an einer Petition gegen den Abriss des Gebäudes aus den 70er Jahren zu beteiligen. Das vom Investor Corpus Sireo „mit großem Tempo vorangetriebene Bauvorhaben“ verstoße massiv gegen Grundsätze einer nachhaltigen Stadtplanung, heißt es im Infoblatt zur analogen Petition, das auf der Internetseite der Bürgerinitiative abgerufen werden kann. Auch auf der digitalen Plattform change.org läuft eine Petition. Am Donnerstag Nachmittag haben dort bereits mehr als 1000 Menschen die Petition unterschrieben, die an Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (Bündnis90/Die Grünen) gerichtet ist. Bei den 430 Wohneinheiten und acht Geschossen mit einer Maximalhöhe von 24 Meter, die das aktuelle Planungskonzept vorsieht, handele es sich um eine „exzessive und nur den Interessen des Investors dienende Ausbeutung, die das Umfeld völlig überfordert und die durchschnittliche Bevölkerungsdichte in Ehrenfeld sprengt“, heißt es.

Die Bürgerinitiative fordert  eine „keative Umgestaltung“ des Gebäudes, so dass es für Wohnen, Gewerbe, Kultureinrichtungen und eine Kita genutzt werden könne. Auf dem Parkplatz des Geländes sei eine „sinnvolle Wohnbebauung“ möglich. Die vorhandene Tiefgarage könne als öffentliche „Veedelsgarage“ dienen. Sie fordern die Ausschreibung eines neuen Wettbewerbs, mit dem Ziel auf dem Gelände, das der Immobilienentwickler Corpus Sireo nach Angaben der Kölnischen Rundschau der Kapitalgesellschaft „Cresco Group“ abgekauft hat, bezahlbaren und ökologisch gebauten Wohnraum zu schaffen. Auf diese Weise könne das Areal zu einem „Leuchtturmporjekt“ werden, heißt es. Die Cresco Group hatte das Gelände der Siemens-AG abgekauft, die auf dem Gelände 50 Jahre lang eine Niederlassung hatte.

Es solle wenigstens versucht werden das vorhandene Gebäude in die Stadtplanung zu integrieren, heißt es auf der Website der Initiative. Der Abriss des Gebäudes sei nicht alternativlos. Neben Wohnungen würden in Ehrenfeld auch dringend bezahlbare Flächen für Kunst, Kultur und Bildung benötigt. Das 50 Jahre alte Siemens Gebäude sei darüber hinaus in einem „erstaunlich guten Zustand“.  Wer es abreisse, vernichte Kulturgut. Das sehen die Behörden teilweise anders: Denkmalwert habe es nicht, urteilte die Denkmalschutzbehörde.

Die Initiative vermutet, dass schon vor dem Architektur-Wettbewerb ein Abriss des Gebäudes festgestanden habe, ohne, dass es eine wirkliche Debatte darüber gegeben habe. Ein Neubau bedeute für den Investor Corpus Sireo eine Quadratmeter- und somit Gewinnmaximierung. Die Initiative spricht von „Immobilienspekulation“. Zudem wird befürchtet, dass ausgerechnet der öffentlich geförderte Wohnraum, der dort bei 30 Prozent liegen soll, Tür und Tor für weitere Immobilienspekulationen öffne. Private Käufer von öffentlich geförderten Wohnungen könnten sich bereits nach zehn Jahren von der Sozialbindung befreien lassen, wenn sie die öffentlich geförderte Wohnung gar nicht fördern liessen. Dann sei ein Weiterverkauf mit großer Gewinnspanne möglich und vom anfänglichen Sozialbau bliebe nicht mehr viel übrig, so die Befürchtung von Vertretern der Initiative.

Auch wenn das aktuelle Planungskonzept eine Dachbegrünung, das Pflanzen von rund 60 großkronigen Bäumen sowie eine Reduzierung der aktuell fast vollversiegelten Fläche um rund 23 Prozent sowie und einen öffentlichen Spielplatz vorsieht – unter ökologischen Gesichtspunkten widerspricht ein Abriss wohl eher  der aktuellen Klima-Agenda. Der Bausektor verursacht durch Abrisse rund 50 Prozent des weltweiten Müllaufkommens und gehört zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen in Deutschland. Gleichzeitig jedoch fehlt es in Köln an bezahlbarem Wohnraum. Jährlich 6.000 Wohnungen zu bauen hatte sich die Stadt auf die Agenda geschrieben. Doch gerade einmal 2.175 Wohnungen wurden 2019 fertig gestellt, wie das Amt für Stadtentwicklung und Statistik in seinem im Juni letzten Jahres veröffentlichten Bericht „Kölner Wohnungsbau 2019“ bekannt gab. 1750 weniger als im Vorjahr. Der Bauüberhang ist so hoch wie lange nicht.

Was ist eure Meinung zum Siemensgebäude: Lieber abreißen oder umgestalten?

Links:

https://www.ressource-deutschland.de/themen/bauwesen/

Internetseite der Bürgerinitiative BI-fgs: www.fgskoeln.de