„Man ist sich selbst der größte Gegner“

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„Man ist sich selbst der größte Gegner“

Bei der Pool und Sportgemeinschaft Köln an der Vogelsanger Straße spielen Profis und Hobby-Billardspieler. Und gegrillt wird auch wenn es schneit.

Es sieht aus wie ein lockeres Zusammenkommen von Freunden an einem Freitag Abend. Draußen vor der Vereinstür der Pool- und Sportgemeinschaft Köln (PSG) brutzelt Fleisch auf dem Grill, ein paar Spieler sitzen um einen Biertisch, während die anderen drinnen um den Sieg beim heutigen Hausturnier kämpfen. Mit dabei: ein paar der besten Billard-Spieler Deutschlands. Im Jackpott: knapp hundert Euro.Doch ums Geld geht es nicht.

Ex-Profi-Spieler Fabian reizt „das Positionsspiel mit der weißen Kugel“. Während des Studiums hat er in der Bundesliga gespielt. Micky (hinten links) ist 2. Vorsitzender, Didi (hinten rechts) teilt als Sportwart die Turnier-Mannschaften ein. (Foto: Brand)

Strategie und mentale Stärke sind gefragt

Pool-Billard ist Präzisionssport, strategisches Denken und mentale Stärke sind gefordert. „Billard ist ein bisschen wie Golf“, sagt Hyun-Kook (46), einer der 19 Teilnehmer des Turniers an diesem Abend. „Man ist sich selbst der größte Gegner.“

Den Verein gibt es seit fast 30 Jahren an der Vogelsanger Straße. Taxifahrer Achim Krause (53) ist einer der Gründungsmitglieder des PSG. „Wir haben ihn damals als Schachverein gegründet,“, erzählt er schmunzelnd. „Es gab tatsächlich zwei Schachbretter. Aber gespielt haben alle nur Billard.“Angeregt durch den Scorsese-Film „Farbe des Geldes“ (Original: „The Color of Money“) kommt Ende der 80er Jahre weltweit ein regelrechter Billard-Hype auf. „Plötzlich spielten alle Billard“, erinnert sich Didi, Sportwart des Vereins. „Allein auf den Ringen gab es fünf Billard-Cafés.“

Achim (53) hat die Weiße genau im Visier. (Foto: Brand)

Billard-Hype durch Scorsese-Film

Scorsese inszenierte den Film als Fortsetzung des 1961 gedrehten „Haie der Großstadt“ (Original: „The Hustler“). Paul Newmann spielt darin den jungen Poolbillard-Spieler Eddie Felson. Der lebt  davon unbedarfte Spieler abzuzocken, indem er sie zunächst gewinnen lässt, um sie anschließend  auszunehmen. Sein einziges Ziel: einmal den berühmten Veteranen Minnesota Fats  zu schlagen.

Der Scorsese-Film „Farbe des Geldes“ greift die Geschichte 35 Jahre später wieder auf. Es ist 1986. Eddie, der inzwischen sein Geld als Spirituosen-Händler verdient, ist mit der Barkeeperin Janelle liiert. Nachdem ihm ein Gangster vor rund zwanzig Jahren verboten hat, weiter um Geld zu spielen, arbeitet er in Janelles Bar als Manager des Poolbillardspielers und Zockers Julian.  Dann begegnet er dem jungen Billard-Talent Vincent Lauria (Tom Cruise).

Gemeinsam ziehen sie durch die Billardhallen im Land um andere Spieler abzuzocken. Bis die unterschiedlichen Lebensauffassungen der beiden zum unvermeidlichen Konflikt führen. Die Filme haben Kultstatus unter Billard-Fans.

„Die Menschen rannten ihnen hinterher, wollten Autogramme“

Profis, wie Oliver Ortmann, Ralf Souquet oder Thomas Engert waren in den 90ern Superstars – zumindest in Asien. Ortmann gewann drei Mal den Weltmeistertitel, wurde 14 Mal Europameister. „Hier in Deutschland kannte sie keiner, aber wenn die in Manila oder Taipeh durch die Straßen gelaufen sind, rannten ihnen die Menschen hinterher, wollten Autogramme“, erinnert sich Didi, der damals dabei war. Noch heute zählt Poolbilliard auf den Philippinen zu den drei beliebtesten Sportarten, Schüler lernen es sogar im Sportunterricht. In China gucken schon mal 40 Millionen Menschen bei der Fernseh-Übertragung einer Poolmeisterschaft zu. Dabei ist Billard erst seit Ende der 90er Jahre olympisch anerkannte Sportart.

Beatrix (37) ist ehemalige Deutsche Meisterin im Pool-Billard. Sie ist eine der wenigen Frauen im Verein. Jaques ist schon seit den Anfängen des Vereins mit dabei. „Wir kämpfen gegen das Kneipen-Image“, sagt er. (Foto: Brand)

„Billard ist Männerdomäne“

Beatrix (37), genannt Trixi, ist eine der wenigen Frauen im Verein. „Billard ist immer noch eine Männerdomäne“, sagt sie. 1998 war sie Deutsche Meisterin im Poolbillard. Nach längerer Pause spielt sie seit zwei Jahren wieder aktiv. Bei ihrem ersten Turnier nach der Pause belegte Leverkusenerin gleich den 3. Platz bei der Deutschen Damenmeisterschaft. „Das ist wie Fahrradfahren – man verlernt es nicht.“

Schon Shakespeare’s Cleopatra spielte Billard

Der Billard-Hype der 90er Jahre ist mittlerweile längst wieder abgeebbt. Das „Kneipen-Image“ ist die Sportart jedoch bis heute nicht losgeworden. Dabei wurde Billard ursprünglich an europäischen Königshäusern gespielt. Erste schriftliche Erwähnung findet Billard  unter anderem in Shakespeares „Antony and Cleopatra“ aus dem Jahr 1606.  Die Billard-Variante „Pool“ entstand erst in den 1840er Jahren in den USA, entwickelte sich aus dem sogenannten „English Billards“. Um die Tische für ungeübte Spieler zu vereinfachen, wurden die Tascheneinläufe von der klassischen runden Variante in die heutige übliche trichterförmige Variante abgewandelt. Außerdem gibt es mehr Bälle. Seinen Namen verdankt das Poolbillard den öffentlichen „Pool-Parlors“, in denen es damals gespielt wurde. Rund 100 Jahre später erfreute sich diese Billard-Variante weltweiter Beliebtheit. Trotzdem dauerte es rund 60 weitere Jahre, bis Billard olympisch anerkannte Sportart wurde.

Schon so einige Pokale haben die Mannschaften des PSG bei Turnieren in der Regional- und Oberliga in den letzten 30 Jahren gewonnen. (Foto: Brand)

„Einfach eine coole Truppe“

40 Euro kostet die Mitgliedschaft bei der Pool- und Sportgemeinschaft Köln pro Monat, beinhaltet einen 24-Stunden-Zugang an sieben Tagen die Woche und vergünstigte Getränke. Vier Pool-Tische stehen den Mitgliedern zur Verfügung. Jeden zweiten Freitag findet ein Hausturnier statt, an dem man für 15 Euro Startgeld teilnehmen kann. Das Beste: „Das ist einfach eine coole Truppe hier“, sagt Trixi. „Die Leute sind locker, immer nett! Und der Grill wird sogar angemacht, selbst wenn es schneit!“

Mehr Infos zum Verein:

Pool Sport Gemeinschaft Köln e.V.

PSG Köln e.V.
Vogelsangerstrasse 284 b
50825 Köln

Tel.: +49 (0)221 546 1254
Fax: +49 (0)221 823 2515

Website: www.psg-koeln.de 
management(ät)psg-koeln.de