Wein – made in Ehrenfeld

Made in Ehrenfeld Shopping

Winzer Jonathan Hollerith will den Prozess des Weinmachens in die Stadt holen. Mit Hilfe von Crowdfunding hat der 41-jährige den ersten produzierenden Weinkeller in eine deutsche Millionenstadt geholt. Genauer gesagt: nach Ehrenfeld. Die biologisch angebauten Trauben vom Pfälzer Familien-Weingut „Joachim Hollerith“ bringt er nach der Ernte in seine ehrenfelder Kelterei. Dort reifen sie durch „Spontangärung“ zu Weinen mit Namen wie „Pink Freud“ oder „Fr. Ankenstein“, bevor sie schließlich im „urbanen Hofladen“ der IMI Winery auf der Körnerstraße landen. Oder per Wein-Abo für „Kenner“ oder „Entdecker“ gleich frei Haus geliefert werden. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die regelmäßig angebotenen Weinproben  – in der Coronakrise als Online-Variante per Zoom. Auch ein Rundgang durch die Kelterei ist auf Anfrage möglich.

Jonathan Hollerith in seinem Laden in der Körnerstraße. Studiert hat er Weinbau und Önologie in Kalifornien. Die IMI Winery betreibt er seit vier Jahren gemeinsam mit seiner Frau Svenja und Geschäftspartner Kai Sommer. (Foto: Brand)

Schon Jonathans Uropa war Winzer. Nachdem sein Vater 2014 verstarb, übernahm der damals 35-jährige das Familien-Weingut in der Region Maikammer in der Pfalz. Von einem „super Boden“, schwärmt Jonathan, wenn er über das Stück Land an dem ostneigenden Hang des Heiligenbergs spricht, auf dem er seine roten und weißen Trauben biologisch anbaut. „Mittelschwerer Löslehm, der locker ist, aber Wasser halten kann“, erklärt er. Muschelkalk, der für Tannine und Dichte des Weines sorgt, mache etwa 20 Prozent des Bodens aus. Dazu kommt die frühe Sonne durch Osthanglage, die vor allem den Chardonnay- und Frühburgunderreben gut gefällt. Ein optimales Terroir.

So wird das Zusammenspiel von Lage, Boden und Klima bezeichnet, das die Einzigartigkeit eines Weines ausmacht. Aus einer Rebsorte entwickeln sich je nach Terroir unterschiedliche Weine, auch wenn gewisse Charakteristika der Rebsorte erhalten bleiben. Vergleichbar mit eineiigen Zwillingen, die adoptiert und von unterschiedlichen Eltern in unterschiedlichen Kulturräumen großgezogen werden. So ähnlich zumindest formulieren es Jonathan und sein Team der IMI Winery auf ihrer Website. Ein Riesling beispielsweise, der an der Mosel wächst, schmeckt meist leicht und floral. Wächst die gleiche Rebsorte auf dem warmen und kräftigen Boden der Pfalz, entstehe ein eher dichter, schmelziger Wein mit mehr Tiefe, weniger Säure und bis zu 13 Prozent Alkoholgehalt, erklärt Jonathan.

Der Name „IMI Winery“ geht übrigens auf Jonathans Vater Joachim, genannt „Imi“ zurück. Der wanderte in jungen Jahren in die USA aus, wo Jonathan zur Welt kam und aufwuchs. Das Familien-Weingut in der Pfalz bewirtschaftete Joachim Hollerith auch nach der Auswanderung weiter: Mindestens einmal im Jahr ging es von der Ostküste der USA für mehrere Wochen zurück in die Heimat in den Südwesten Deutschlands.

Wein und Käse – die perfekte Kombination. Das Ladenlokal teilt sich die IMI Winery mit „Käse Glückler“, der Spezialitäten aus den Alpen im Sortiment hat. (Foto: Brand)

Die Kunst des Weinanbaus hat er nicht nur  von Kindesbeinen an gelernt, sondern auch studiert, und weiß, dass biologischer Anbau nicht nur eine Frages von Idealismus ist, sondern sich auch langfristig auszahlt: Durch ökologische Landwirtschaft erziele er nicht nur bessere Weine, sondern könne den Boden auch eines Tages an die Kinder weitervererben, sagt Jonathan. Die sei „ein viel besseres Investment“ als auf Massenproduktion zu setzen, die den Boden auf Dauer unfruchtbar macht.

„Der Boden von konventionellem Anbau ist irgendwann einfach tot“, sagt er. Denn Pestizide töten nach und nach sämtliche in einem gesunden Boden enthaltene Mikroorgansimen. Diese nicht sichtbaren Kleinstlebewesen, wie Bakterien und Hefepilze, wandeln den Humus in Nährstoffe um und sorgen dadurch für ein gesundes Pflanzenwachstum und letztendlich gute Trauben.

Jonathan verwendet anstelle von Pestiziden lieber natürliche Pflanzenschutzmittel, zum Beispiel Orangenölextrakt, Back- und Molkepulver, Schachtelhalm oder Pheromone, die die Insekten vertreiben, anstatt sie zu töten. Zwar kommen auch Kupfer und Schwefel zum Einsatz, jedoch in geringen Mengen, entsprechend den Vorgaben für Bio-Weine.

Im September beginnt auf dem Pfälzer Weingut in der Regel die Ernte. Die Trauben werden handverlesen, dann nach Ehrenfeld gebracht, wo sie schließlich in der eigenen Kelterei auf der Leyendeckerstraße in Barrique- oder Edelstahlfässern reifen. Die IMI Winery setzt übrigens auf Spontangärung anstatt auf Zugabe gezüchteter Hefen. Diese Methode war noch bis in die siebziger Jahre der einzige Weg zur Weinherstellung. Gezüchtete Hefen gab es noch nicht. Erst seit der preisorientierten Massenproduktion setzen die Weinmacher auf zugesetzte Hefen. Durch sie gärt der Wein nämlich wesentlich schneller: Während der natürliche Gärprozess sechs bis neun Monate dauert, geschieht dies mit gezüchteten Hefen innerhalb weniger Wochen. Für Winzer, die auf Spontangärung setzen, besteht allerdings ein leicht erhöhtes Risiko, dass der Wein nicht nach Plan vergärt und verdirbt. Mit dem letzten Jahrgang ist Jonathan aber schon mal sehr zufrieden: „Die Weine haben sowohl Tiefe, als auch Finesse“, schwärmt er. Die heißen Sommer wirken sich zumindest auf den Weinbau in der Pfalz durchaus positiv aus.

www.imi-winery.de

www.kaeseglueckler.de

Öffnungszeiten der Ladenlokale:
EHRENFELD KÖRNERSTRASSE 20

Mi.-Fr. auf 14:00 – 19:00 Uhr

Sa. 11:00 -18:00 Uhr

AGNESVIERTEL NEUSSER STR 44

Mo. – Fr. 10:00 – 19:00 Uhr

Sa. 10:00 – 17:00 Uhr

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